estrel-docx ist eine Einzelpräsentation von Manfred Pernice in der Galerie Neu, die den „runden Geburtstag“ der documenta zum Anlass nimmt. Die Arbeit ESTREL; quattro stagioni von 2002 wurde für die documenta 11 in Kassel konzipiert und folgend erneut im Kunstmuseum Wolfsburg gezeigt. Die frontale Seite der zunächst monolithisch erscheinenden Konstruktion verhält sich zum Titel scheinbar passgenau als „Allerwelts-(international)-Hotel-Architektur“ einer Millenniums-Globalisierung. Gegenläufig werden die im Titel ebenfalls genannten vier Jahreszeiten als „Werden + Vergehen“ überhaupt und als schrittweises Zerfallen sowie „Blick hinter die Kulissen“ aufgefasst. Die Skulptur besteht aus ineinander gestellten Pyramidenstümpfen, die als solide Baukörper angelegt sind, jedoch in der Abfolge auch durchlässig, brüchig und scheinbar unvollständig bleiben.
Olafur panoni
Das “Estrel Berlin” ist Europas größter Hotel-, Entertainment- und Kongresskomplex und somit ein bedeutendes Beispiel für Eventarchitektur und konsumorientierte Urbanität der Nullerjahre. Die Geometrie der Konstruktion (sowie ein Video-Fragment der Originalversion) verweist zugleich auf “Die Pyramide” in Berlin-Marzahn. Finanziert durch frühe Investitionsfonds der Nachwendezeit war dieses Bürogebäude aus den Neunzigerjahren mit seiner markant beleuchteten Fassade einst als Europas größte digitale Uhr bekannt. Durch dieses Zusammenspiel industrieller und postmoderner Bezüge reflektiert Pernice über die sorgfältig orchestrierten Systeme, die unseren Konsum prägen.
Seit den frühen 1990er Jahren entwickelt Pernice eine eigenständige Sprache, die sich an Architektur, Bauwesen, Verpackung und Transportsystemen orientiert. Seine Gebilde aus Span-Schichtholz, Metall, Beton oder Karton kombinieren Bezüge zu urbaner Infrastruktur mit einer Konzentration darauf, wie Objekte in Räumen präsentiert, organisiert und gelagert werden können – auch als modulare Bausteine einer allgemeinen Infrastruktur.
Manfred Pernice
estrel-docx
22.11.2025 – 24.01.2026




